Amerika – Stop using your brain…

Nach ein paar schönen, warmen Tagen ohne unsere Velos in Victoria und genau 3‘690 Kilometern, haben wir mit der Fähre die Grenze zu Amerika überquert. Dies ging ganz einfach. Den Pass wollten sie sogar nur von einem von uns sehen. In Port Angeles angekommen, gingen wir zuerst zum Post-Office – schliesslich wollten wir unsere zweite defekte NeoAir-Matte loswerden. Kaum zu glauben, dass das Paket schon nach 10 Tagen zuhause ankommen soll – zum selben Preis wie in Kanada.

Im Supermarkt wurde uns dann schnell klar, wieso so viele Amerikaner an Gewichtsproblemen leiden. Süsses ist um einiges günstiger als Früchte und Gemüse. Cornflakes sind kunterbunt, damit die Kinder quengeln, bis die Eltern die Packung in den Wagen legen. Für den Preis von 1.5 Liter normalem Trinkwasser kann man sich vier Liter Cola kaufen. Und zu guter Letzt darf natürlich die 1.2kg Cookie-Packung für gerade mal 5 Dollar nicht fehlen. Aber richtiges Brot bleibt immer noch nur Europäern vergönnt.

Landschaftlich hat sich in Amerika nicht viel verändert. In Washington befinden sich links und rechts von uns weiterhin dichte Wälder und die Logging-Trucks brettern auch hier mit überhöhter Geschwindigkeit so dicht an uns vorbei, als wären wir nur ein Meilenpfosten… Am meisten nerven uns aber die RV-Fahrer. Viele sind übermüdet, um uns wahrzunehmen und wissen wahrscheinlich nicht mal, wie breit ihr Riesen-Vehicel ist. Es kam für uns daher schon zu ganz gefährlichen Situationen…

In Forks wurden Szenen für den Twilight-Film gedreht. Die Stadt rühmt sich seitdem damit. Man kann hier alles haben, was Vampir-Fans benötigen. Etliche Fanartikel, Vampir-Feuerholz, Edward-Sandwichs und sogar Bella-Bella-Wein… Wir haben uns jedoch schnell verdrückt und kamen nach Aberdeen, einer typischen Holzindustrie-Stadt, und somit endlich an die Pazifikküste und mit ihr zu malerischen Plätzen direkt am Meer. Auf einem Campingplatz an der Küste trafen wir dann auf Andrew, dem superschnellen Engländer 😉 Wir haben uns schnell angefreundet und da wir das gleiche Ziel haben, beschlossen wir, gemeinsam gegen Süden zu fahren.

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Cycling 6.6 km over the famous Astoria-Megler Bridge

 

Nach einem nebligen Tag fuhren wir bei schönstem Sonnenschein über die imposante Brücke nach Astoria und somit an die Oregon-Küste, dem Radfahrerparadies. Hier kosten Hiker/Biker-Sites auf allen State Parks gerade mal 5 Dollar und die Duschen sind erst noch gratis. Trotz wunderbarem Rückenwind kamen wir nur langsam voran. Da waren einfach zu viele schöne Sandstrände, die uns lockten, um im eiskalten Meer baden zu gehen, unseren neuen Kite im Wind sausen zu lassen oder Sandburgen zu bauen. Die Abende verbrachten wir meistens in den berühmten Sanddünen von Oregon.

Für gute Unterhaltung sorgten jeweils die vielen Warn- und Hinweisschilder. So darf man z.B. rund um die Uhr mit einem Dünen-Buggy durch die Dünen rasen, sofern die Lautstärke weniger als 93dB beträgt. Ein Bier am Strand zu trinken, ist allerdings strengstens verboten. Und falls man einen unbekannten „Tsunami-Gegenstand“ findet, soll man 911 kontaktieren oder das Ding einfach in den nächsten Busch werfen.

Hinweisschilder hin oder her, wir geniessen die Zeit hier an der Pazifikküste sehr. Immer wieder kommen wir in den Genuss eines wunderschönen Sonnenuntergangs, eines Seelöwenkonzerts oder interessanten Fabrik-Rundgängen, wie z.B. in Tillamook. Dort genehmigten wir uns ausserdem unser bisher bestes und grösstes Glacé 😀

Cheeeeesy....

Cheeeeesy….

Unsere Nächte werden momentan von kleinen, frechen Waschbären verkürzt. Diese kleinen Banditen sind so clever, dass sie es schaffen, Reissverschlüsse von Zelten oder aber auch die Klickverschlüsse unserer Ortliebtaschen zu öffnen. Gleichzeitig sind sie jedoch nicht clever genug, sich bei der Flucht gegenseitig aus dem Weg zu gehen 😉

Da es nun inzwischen schon sehr, sehr kalt wird in der Nacht (teilweise nur 1°C morgens), fahren wir ein bisschen schneller, um ins warme Kalifornien zu kommen. Dazwischen liegen allerdings einige Meilen wie auch der „Legett“, der höchste Berg hier an der Pazifikküste…