Auf den Spuren der Natur

Zurück in Long Beach durften wir unsere Bikes bei Eric unterstellen. Leider verliess uns Andrew daraufhin und flog zurück nach England. Wir werden seine Anwesenheit vermissen, so ist er doch ein fester Bestandteil in unserem Radler-Alltag geworden.

Da unsere Velos nun gründlich gereinigt sind (so will es der neuseeländische Zoll), können wir unmöglich wieder damit rumbrettern. So versuchten wir uns ein Auto zu mieten. Ist allerdings keine einfache Sache, wenn man noch nicht 25 Jahre alt ist, da die Underagefee den Preis verdoppelte 🙁 So brauchte es viele Nerven und einige Fahrdienste von Eric, bis wir es endlich schafften, unser Auto am gewünschten Ort entgegen zu nehmen.

Wenig später fuhren wir dann Richtung Osten. Schliesslich haben wir nun die ganze Küste gesehen, da bot uns die Wüstenlandschaft in Arizona eine willkommene Abwechslung. Der erste Stopp galt dem Joshua Tree National Park. Nebst diesen speziellen Wüstenbäumen, die hier das Landschaftsbild prägen, kann man auch Cholla-Kakteen bewundern, die umgangssprachlich „Jumping Teddybears“ genannt werden. Mit etwas Fantasie kann man darin tatsächlich springende Teddybären erkennen 🙂

Jumping Teddybear

Jumping Teddybear

 

Nach hunderten von Meilen auf der schnurgeraden Interstate, kamen wir zum berühmten Grand Canyon. Da wir hier jedoch auf über 8‘000 Fuss waren, wurde es für uns mit bis zu -5°C in der Nacht richtig kalt im Zelt. Und das, obwohl man sich mitten in der Wüste befand. Der Grand Canyon selbst ist sehr imposant mit seinen steil abfallenden Felswänden und den uralten Steinschichten. Jedoch merkt man schnell, dass die Aussicht immer gleich aussieht, egal, wo man sich befindet. Wir entschieden uns daher, den Canyon von unten zu erforschen und holten uns einen dieser limitierten und sehr begehrten Backcountry-Pässen. So ging es mit Rucksack und Wanderschuhen runter zum Colorado River. Dort irgendwo, inmitten dieser riesigen Felsen, konnten wir auf einem wunderschönen Campingplatz übernachten. Der Ranger erzählte uns gruslige Geschichten von Leuten, die im Canyon an Übermüdung und Durst gestorben sind. Dies ist zwar einige Jahre her, jedoch werden heute noch über 400 Leute jährlich aus dem Canyon gerettet, weil sie die Wanderung oder das heisse Wetter unterschätzen. Dies waren ja tolle Aussichten für uns… Der Aufstieg am nächsten Tag war dann auch sehr hart. Vorallem weil wir ihn mit Muskelkater vom Vortag antreten durften 🙁 Doch nach 7h schweren Kämpfens schafften wir es zurück auf die Plattform. Unsere Beine waren wohl glücklich darüber 😀

Mit Muskelkater ging es via Route 66 zurück in den Westen. Diese historische Strasse existiert, wie vieles hier, auch nur wegen des Tourismus. In Wirklichkeit wird sie von Geisterstädtchen und Armut dominiert. Jetzt im Winter, wo die grossen Touristenscharen ausbleiben, herrscht hier Verfall und Einsamkeit. Nur die einst zurückgelassenen und inzwischen wilden Esel bringen noch etwas Leben in diese triste Gegend.

Old House on Route 66

Old House on Route 66

Weiter ging es, zusammen mit unserem Freund Michi, nach Las Vegas. Diese Lichterstadt gefiel uns sehr gut. Allerdings mussten wir feststellen, dass die Nacht auch hier um Mitternacht vorbei ist – lediglich einige wenige Bars hatten geöffnet. Dafür wurden wir auf den Strassen gut unterhalten. Da tummelten sich haufenweise verkleidete Menschen rum, pompöse Lichtshows wurden gezeigt und einige in orange gekleidete Männer verteilten – ganz diskret natürlich – Visitenkarten von hübschen Damen…

Wir genossen die Atmosphäre dieser Glitzerstadt, liessen uns gut bekochen und besuchten tolle Shows. Danach ging es weiter ins Death Valley. Da dort im Winter humane Temperaturen von ca. 20°C herrschen, war unser Aufenthalt sehr angenehm. Nebst dem berühmten Badwater Lake mit seinen hübschen Salzkristallformationen, besuchten wir auch Rhyolite, ein Geisterstädtchen aus dem Jahr 1905, das gerade mal 15 Jahre existiert hatte. Von den ca. 8‘000 Einwohnern dieser früher boomenden Minenstadt ist nur noch der Inhaber des seltsamen Giftshops übrig geblieben…

Über Santa Barbara ging es dann zurück nach Long Beach, wo wir unseren letzten Abend in Amerika auf der berühmten Queen Mary verbringen durften (danke, Michi!). Dieses Kreuzfahrtschiff ist wunderschön und sehr eindrücklich. Man fühlt sich schnell in die Vergangenheit versetzt. Damals, als die „Holzklasse“ ihre Schlafräume noch direkt über dem lärmenden Maschinenraum hatte und nicht befugt war aufs Sonnendeck zu gehen. Wir hingegen konnten das ganze Schiff inspizieren 🙂

Doch nun sitzen wir im Flugzeug Richtung Neuseeland und freuen uns auf ein neues Velo-Abenteuer am anderen Ende der Welt.