Das grosse Krabbeln

Ständig wird man in Australien damit konfrontiert, dass ungeteerte Strassen gefährlich sind. Es gibt sogar Filme, welche darauf hinweisen und erklären, welche Präventiv-Massnahmen zu ergreifen sind, um Gefahren zu vermeiden. Da wäre z.B.: angemessenes Tempo, links fahren, bei Gegenverkehr abbremsen und an ungesicherten Bahnübergängen anhalten. Irgendwo haben wir das doch schon mal gehört… Ach ja, war das nicht vor der Fahrprüfung!?!?!? Wie auch immer… Solche Filme sind hier teilweise Pflicht, wenn man bestimmte Strecken abfahren möchte. So mussten auch wir daran glauben. Die Fahrt war allerdings gar nicht so schlimm, wie im Film beschrieben. Ist wohl eine Abschreckungs-Massnahme für ahnungslose Touristen.

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Fast or furious?

 

In Broome genossen wir einige Tage unter kühlen Palmen und Frangipani-Büschen. Die Luftfeuchtigkeit ist da so hoch, dass man sich kaum aus dem Stuhl bewegen kann, ohne dabei zu schwitzen. Das Meer ist mit 30°C auch keine Abkühlung, aber dennoch einen Besuch wert. Vor allem, wenn dabei die Sonne im Meer versinkt und den Horizont in ein Blutbad tränkt. Die Kamel-Karawane am Strand gibt dem Ganzen zusätzlich einen arabischen Hauch.

Völlig erholt, sind wir Richtung Gibb River Road aufgebrochen. Da die Regensaison im Norden nun vorbei ist und die Flüsse nicht mehr meterhoch Wasser führen, wurde die Strasse Ende April für den Verkehr geöffnet. Auf diesen Abschnitt waren wir schon lange gespannt. Und so rumpelten wir freudig durch die staubige Strasse, vorbei an imposanten Boab-Trees und schönen Schluchten. Irgendwo auf der Strecke sind wir Christine und Aldo aus Graubünden begegnet, die wir schon in Esperance gesehen haben. Zusammen mit ihnen, haben wir 4×4-Strassen in Angriff genommen, von Krokodilen bewohnte Flüsse durchquert, ständigen Buschbränden getrotzt und irgendwo zwischen jaulenden Dingo-Rudeln gecampt. Es war toll! 🙂

Gegen Ende der Gibb River Road haben wir uns wieder getrennt und uns im El Questro niedergelassen. Dort wollten wir weitere 4×4-Strassen fahren, mussten bei der ersten aber schon kapitulieren. Bei 500cm hohem Wasser bleibt im Auto wohl nicht mehr alles ganz so trocken, wie es sollte. So sind wir eben umgekehrt und haben andere Strassen ausprobiert. Die Letzte führte uns über grobe Steine durch ein riesiges Flussbeet. Es rumpelte so fest, dass wir schon Angst hatten, zu kippen. Zum Glück hatten wir unsere Räder auf dem Campingplatz zurückgelassen. Die wären jetzt vermutlich nicht mehr fahrtauglich…

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Watercrossing at a high level

 

Schliesslich verliessen wir die Gibb River Road und durften ins Northern Territory einreisen. Viel hatte sich nicht geändert. Das einzig Schlimme waren die Fliegen. Ständig waren sie da. Vertreiben nützte nichts. Am Abend wurden sie von Mücken und Motten abgelöst, welche unser Abendessen zum Abenteuer machten. Oh, und dann gab es da überall die vielen Käfer, Heuschrecken, Eidechsen und Spinnen. Alles krabbelt und kriecht hier in Australien. Zum Glück sind wir nicht mit dem Zelt unterwegs…

Unser nächstes Etappenziel war der Kakadu Nationalpark. Ein UNESCO-Welterbe und somit, nebst dem Ayers Rock, einer der bekanntesten Nationalparks in Australien. Folglich kann er auch $25 Eintritt pro Person verlangen 🙁 Da hiess es nur: Augen zu und durch. Der Park hat jedoch vieles zu bieten. Schöne Wasserfälle, Aboriginal Felszeichnungen, schweisstreibende Wanderungen, unendliche Wälder und grosse Mückenschwärme… Der Rest war noch wegen Überflutungen und Krokodilen geschlossen. 200km westlich befindet sich der Litchfield Nationalpark. Im Gegenzug zum Kakadu verlangt er keinen Eintritt und war grösstenteils geöffnet. Ausserdem gibt es dort überall natürliche Wasserpools. Wenn sie nicht ständig von Touristen belagert sind, kann man selbst kurz ins nasse Kühl springen. Uns gefiel es da sehr gut. Wir verbrachten gleich einige gemütliche Tage dort und genossen dabei die letzten Stunden in der Wildnis, bevor es wieder in die Zivilisation ging…