Die letzten Tage in Australien genossen wir sehr. In Darwin begegneten wir wieder der wohlbekannten Ruhelosigkeit aus Westeuropa. Um diese zu vermeiden, verbrachten wir unsere Zeit eben auf dem ruhigen Campingplatz und im Krokodil-Park. Letzterer war sehr interessant und beherbergt über 300 Krokodile jeden Alters. Gebannt schauten wir zu, wie die fünf Meter langen Tiere das Fressen innert Sekunden aus dem Wasser heraus schnappten und runterwürgten. Diese Schnelligkeit ist nicht zu unterschätzen. Kein Wunder muss zwischendurch immer mal wieder ein ahnungsloser Schwimmer daran glauben…

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Sydney by night

Von Darwin ging es dann für ein paar Tage nach Sydney. Dort liessen wir es uns gutgehen, beobachteten die zahlreichen Strassenkünstler und Shows, erforschten die Stadt und gingen gut essen. Am Abflugtag herrschte reges Treiben im Flughafen. Da über Nacht so viel Nebel aufgekommen war, konnten die ankommenden Flugzeuge nicht landen und wurden daher über Brisbane umgeleitet. Auch unser Flieger war davon betroffen. Die Verzweiflung unter den Passagieren war gross. Doch wir konnten schon wenig später ganz unkompliziert ein Zimmer im nahen Flughafen-Hotel beziehen und uns dort am Buffet den Bauch vollschlagen 🙂

Am nächsten Morgen, nachdem man uns mitten in der Nacht über die definitiven Flugpläne informiert hatte, durften wir schliesslich einchecken. Doch schon bei der Passkontrolle wurden wir wieder zur Seite genommen. Wir hatten unbewusst unser Visum überzogen und uns somit fast strafbar gemacht. Der Beamte fing an, uns mit Fragen zu löchern. Er schien sich jedoch mit der Nebel-Erklärung abzufinden. So konnten wir das Flugzeug kurz darauf doch noch betreten.

Völlig müde und erschöpft kamen wir schliesslich 21 Stunden später in London an. Andrew’s Schwester hatte uns ihre Wohnung zur Verfügung gestellt, die jedoch am Rand der Stadt liegt. Wir wollten uns mit unseren Rädern schon auf den Weg in die U-Bahn machen, da wurden wir ganz unfreundlich darauf hingewiesen, dass Velos – entgegen der Vorschriften – in den Tubes nicht toleriert werden. Toll! Die Taxis hier sind entweder zu klein oder viel zu teuer und bis zur Wohnung waren es gut 50 km. Kommt dazu, dass der Stadtverkehr in London auch kein Zuckerschlecken ist… Wir hatten schon fast die Hoffnung aufgegeben, da kam uns Andrew’s Familie zur Hilfe. Gemeinsam irrten wir durch den U-Bahn-Dschungel von London. Nach gut vier Stunden Wegzeit konnten wir uns endlich in der Wohnung ausruhen.

Gemeinsam mit Michi, der uns in London besuchte, zogen wir die nächsten Tage durch die Stadt, genossen die Sonne und versuchten, uns an das kältere Klima zu gewöhnen. Schliesslich wurde es Zeit, weiter zu ziehen. Das Wetter schlug um und Regen und Wind peitschten uns entgegen. Es war einfach nur zermürbend. Insbesondere, weil die englischen Velokarten zwar haufenweise Pubs, aber keinen einzigen Campingplatz eingezeichnet haben. Wir mussten uns jeden Tag bei den Einheimischen durchfragen, bis wir ein trockenes Plätzchen für die Nacht gefunden hatten.

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Typical english village

Bei der Überfahrt von Dover nach Calais, wo übrigens unser Besteck untersucht wurde, hofften wir auf etwas besseres Wetter in Frankreich. Doch der Regen begleitete uns über die Grenzen hinaus bis in die Champagne. Dort konnten wir einige wunderschöne, sonnige Tage auf dem Velo geniessen. Es sollten jedoch die Letzten bis in die Schweiz sein. Von Reims bis zum bekannten Kurort Vittel mussten wir die Kilometer mehrheitlich im Regen zurücklegen. Die Landschaft war wunderschön mit den vielen, weiten Mohn- und Rapsfeldern, doch unsere Stimmung litt unter dem schlechten Wetter. Selbst unser Zelt konnte den ständigen Regenfällen und intensiven Gewittern nicht mehr standhalten. Ab und zu sind wir in feuchten Schlafsäcken oder auf triefend nassem Boden erwacht. Ein schreckliches Gefühl!

In Vittel war die Wetterprognose nicht besser. Und so entschieden wir, den Zug bis nach Mulhouse zu nehmen. Dies war etwas umständlich, da wir zwei Mal umsteigen mussten und die Züge nicht velofreundlich eingerichtet sind. Dennoch war es die beste Entscheidung, die wir treffen konnten. In Mulhouse lachte uns nämlich die Sonne entgegen.

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Back home!

Von Mulhouse folgten wir kleinen Kanälen bis an die Schweizer Grenze. Es kam uns so unwirklich vor, als wir plötzlich mitten in Basel standen und uns alles so bekannt vorkam. Die Sprache, die typisch schweizerischen Häuser, die Strassenschilder, die Läden, ja sogar die Nummernschilder der Autos. Wir fühlten uns einfach wieder Zuhause! Unter der glühenden Sonne zogen wir weiter, entlang dem Rhein bis nach Waldshut in Deutschland. Mit 110 km war dies unsere längste Tagesetappe überhaupt. Und schliesslich erreichten wir, nach 13 Monaten, unsere Heimatstadt mit einem Gefühl der völligen Zufriedenheit…