Kia Ora

Bei schönstem Sonnenschein kamen wir in Neuseeland an. Die Gepäckkontrolle verlief ohne weitere Probleme und so kamen wir schon bald mit dem „Super Shuttle“ in Auckland an. Nach den etwas kälteren Monaten in den USA tat uns die Wärme hier gut. Allerdings sind die UV-Strahlen in Neuseeland bekanntlich sehr hoch. Natürlich mussten wir uns auch gleich am ersten Tag, beim Zusammenbauen der Räder, einen Sonnenbrand holen 😉 Ein paar Tage später wurden wir dessen belehrt, dass man auch an einem Regentag einen Sonnenbrand bekommen kann…

Eine nette Warmshower-Familie nahm uns während den ersten Tagen in Neuseeland auf. Sie konnte uns viele nützliche Tipps für unsere Reise mitgeben und gab uns zudem die Möglichkeit, Auckland etwas zu besichtigen. Die Stadt ist ganz hübsch, uns gefiel besonders der Hafen mit all seinen kleinen Tavernen und grossen Segelschiffen. An den Links-Verkehr mussten wir uns jedoch erst etwas gewöhnen. Es kam daher nicht selten vor, dass wir uns plötzlich einem uns entgegenfahrenden Auto gegenüber sahen.

Am Tag der Abreise, freuten wir uns schon auf einen gemütlichen Start. Doch ohje… Michaels Vordertasche war mit Ameisen befallen! Keine Ahnung, wo die herkamen. Aber scheinbar haben die in den ersten Tagen dort genistet. Wir brauchten lange, um alle Ameisen und Eier loszuwerden. Doch schliesslich konnten wir doch los. Da wir Auckland mehrheitlich umfahren wollten, beschlossen wir, die Fähre zu nehmen. Diese erwischten wir dank den Ameisen jedoch nur sehr knapp. Dafür mussten wir uns nicht durch die Stadt quälen.

Die ersten Tage fuhren wir entlang der Coromandel Peninsula. Diese hatte landschaftlich viel zu bieten. Wunderschöne Küstenabschnitte, lange Sandstrände, saftig grüne Weidenfelder, Regenwald und kleine hübsche Dörfer gaben dieser Landzunge eine malerische Atmosphäre. Nur die vielen, steilen Hügel machten uns zu schaffen. Da wir noch nicht richtig an das tropische Klima gewohnt waren, brauchten wir mehr Energie als sonst, um die Höhenmeter zu schaffen. Kommt dazu, dass der Verkehr hier zum Teil sehr gefährlich ist. Die Autofahrer rechnen überhaupt nicht mit irgendwelchen Fahrradfahrern. Sie fahren mit teilweise über 100km/h die engen, kurvigen Strassen rauf und runter, schneiden Kurven und hupen empört, wenn wir ihnen mal etwas vom Teer streitig machen. Der neuseeländische Autofahrer muss immer zuvorderst sein. Von den Folgen der teils sehr gewagten Überholmanöver, zeugen zahlreiche Kreuze am Strassenrand. Da wir jedoch vor der Sommerferiensaison unterwegs waren, hielt sich der Verkehr noch in Grenzen.

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Bis nach Tauranga konnten wir viele, schöne Sandstrände besuchen und das blaue Meer geniessen. Das Fahrradfahren beschränkte sich nur noch auf den Morgen, da es nachmittags schlicht zu heiss und windig war. Da das Wetter wechselte, nahmen wir den Bus nach Rotorua. „Nakedbus“ war wohl nicht die beste Lösung, aber nach langer Diskussion durften wir trotzdem mit unseren Fahrrädern einsteigen. Als sich in Rotorua die Türen öffneten, rümpften alle die Nasen. Da die Stadt auf einem ehemaligen Vulkan liegt, treten hier überall Schwefeldämpfe aus der Erde.

Weihnachten war für uns diesmal im Sommer. Wir besuchten die Stadt, bestaunten die schönen maorischen Häuser, genossen die Hot Pools und feierten bei Wein und BBQ. Ist ein komisches Gefühl, Weihnachten mal ohne Baum, Geschenke und Fondue Chinoise zu feiern.

Auf der Strecke nach Taupo begegneten wir einem Japaner, der mit einem Trailer unterwegs war. Allerdings nicht auf dem Rad sondern zu Fuss. Er läuft durch Australien und Neuseeland, um auf die Opfer des Tsunamis aufmerksam zu machen, der vor 2 Jahren in Japan gewütet hatte. Ganze 50km läuft er pro Tag – da kommen wir uns etwas lahm vor auf dem Rad…

Kurz vor Turangi mussten wir auf den Hwy 1 wechseln, obwohl uns alle davon abgeraten haben. Allerdings war dies die einzige Zufahrtsstrasse, wenn man nicht einen dreitägigen Umweg über alle Berge machen wollte. Der Hwy 2, der unter den Radfahrern gerne als „Suizid-Highway“ bezeichnet wird, hatte uns schon viele Nerven gekostet. Aber auf dem Hwy 1 brauchten wir mehr als 20 Schutzengel. Die Strasse verläuft mehrheitlich zwischen Felswand und See. Somit ist der Seitenstreifen klein bis nicht vorhanden. Viele Autofahrer fuhren so nah an uns vorbei, dass sie unsere Taschen nur um Zentimeter verpassten. Aber schlimmer waren die Trucks. Die brettern hier ohne zu Bremsen an uns vorbei, als gäbe es uns gar nicht. Einmal, als Michael wegen des Luftdrucks zwischen zwei Trucks gezogen wurde, brauchte es nicht mehr viel und er wäre womöglich nicht mehr am Leben…

Nach diesem Abschnitt erholten wir unsere Nerven im Tongariro Nationalpark, zusammen mit Pauli und Lenny, den zwei Deutschen, welche wir in Tauranga getroffen hatten. Gemeinsam zogen wir mit Wanderschuhen und Rucksack los und erkundeten die wunderschöne Landschaft rund um die drei imposanten, aktiven Vulkane. Da der Tongariro erst im November wieder ausgebrochen ist, war ein Teil der Strecke gesperrt. Trotzdem konnten wir um den berühmten Schicksalsberg aus Herr der Ringe wandern. Die Wanderung entpuppte sich als sehr anstrengend. Zuerst geht’s für 900 Höhenmeter steil bergauf und anschliessend mit einem Seitenwind von 85km/h den Grat hoch. Danach ging es mit einer traumhaften Aussicht auf die hellgrünen Emerald Lakes wieder hinunter. Es war eine unserer schönsten Wanderungen überhaupt. Jedoch mussten meine Knie etwas darunter leiden. Nach gut 9h Wandern, kamen wir völlig erschöpft in der reservierten Hütte an. Am nächsten Tag ging es dann zurück zum Campingplatz, wobei wir uns (der Wind scheint hier in alle Richtungen gleichzeitig zu blasen :P) wieder einmal gegen den Wind ankämpften. Aber die Wanderung hatte sich definitiv gelohnt!

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Mt. Ruapehu, Tongariro Nationalpark

 

Vom National Park bis nach Wellington verluden wir die Bikes in den Zug, um unsere immer noch müden Beine auszuruhen. Da die Neuseeländer weder Velo noch Zug fahren, wird der Zug nur noch von Touristen gebucht – und ist entsprechend teuer. Dafür fährt er an wichtigen Aussichtspunkten langsamer vorbei, damit alle Touristen ein Bild durch die Scheibe knipsen können. Uns amüsierten die verwunderten Gesichter, als die Leute die Bilder auf dem Display betrachteten. Die Fahrt war sehr angenehm und bald trafen wir in Wellington ein – und wie so typisch für uns, ohne jegliche Pläne. Per Zufall war eine weitere Tourenfahrerin im Zug. Sie lud uns spontan ein, bei ihr zu übernachten. So hatten wir einen Campingplatz mitten in Wellington 🙂

Wir verbrachten gleich drei volle Tage bei Lucy und erkundeten tagsüber die Stadt. Diese ist wunderschön und besitzt einen wundervollen Botanischen Garten. Da noch Ferienzeit war, zeigte sich uns die Stadt fast menschenleer. Ein komisches Gefühl. Schlussendlich verabschiedeten wir uns von Lucy und nahmen die Fähre zur Südinsel.